Wissenschaftliches Institut
der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen GmbH

Ergebnisse

An der Querschnittserhebung unter den niedergelassenen Hämatologen und Onkologen beteiligten sich insgesamt 90 onkologische Schwerpunktpraxen aus ganz Deutschland. Die Ergebnisse machen deutlich, dass der Einsatz systematischer Instrumente und Konzepte zur Förderung der Patientenkompetenz in den onkologischen Schwerpunktpraxen eher gering war. Allerdings belegen die Befragungsergebnisse unter den Fachärzten ein ausgeprägtes Verständnis und die Bereitschaft zu Patientenschulungen im Bereich der oralen Therapie. Die Fachärzte befürworten eine Einbeziehung von Pflegekräften und Medizinischen Fachangestellten in Schulungsaufgaben, wenn diese über eine onkologische Fachqualifikation verfügen.

Bei der Befragung von Patienten unter oraler Therapie konnten 588 Fragebögen aus 80 Schwerpunktpraxen ausgewertet werden. Bei etwa 20% der befragten Patienten gab es in den letzten drei Monaten im Therapieverlauf Ereignisse, die sie zu außerplanmäßigen Praxisbesuchen führten. Fast 90% der Befragten fühlen sich von ihren behandelnden Ärzten gut über die orale Therapie informiert, Informationslücken und zusätzlichen spezifischen Beratungsbedarf äußerten die Patienten vor allem zu den Themen Wechselwirkungen, Nebenwirkungen, Wirkungsweise und Verhalten im Alltag.  

Im Rahmen der prospektiven Kohortenstudie konnten 195 Patienten eingeschlossen werden. Daten von 122 Patienten aus 17 Interventionspraxen und von 56 Patienten aus 11 Praxen im Kontrollarm flossen final in die Auswertung mit ein. In dem breiten Spektrum von onkologischen Diagnosen bildeten Patienten mit Darmkrebs, Myeloproliferativen Erkrankungen, Brust- und Lungenkrebs den Schwerpunkt. Frauen waren mit 55% etwas stärker vertreten als Männer. Die Ergebnisse der jeweils dreimonatigen Verlaufsbeobachtung zeigen, dass Patienten von einer systematischen Schulung durch Pflegekräfte zu Beginn ihrer oralen Therapie auf wichtigen Feldern profitieren. Die deutlichen Unterschiede in den Ergebnissen zur Selbstwirksamkeits-Überzeugung als zentraler Messgröße von Patientenkompetenz bestätigen in Verbindung mit dem besseren therapierelevanten Wissen der Patienten die Effekte der Intervention. Keine relevanten Effekte konnten im Hinblick auf die allgemeine Lebensqualität und die Belastungssituation der Patienten gemessen werden. Ferner berichteten geschulte Patienten über weniger therapiebezogene Nebenwirkungen im Therapieverlauf. Eine bessere Therapieadhärenz wurde insbesondere in Bezug auf die ungeplante Unterbrechung der Therapie beobachtet.

Schlussfolgerungen

Insgesamt bestätigt die Studie die Praxistauglichkeit und die Wirksamkeit einer standardisierten Patientenschulung und Betreuung durch qualifizierte nichtärztliche Fachkräfte in der ambulanten onkologischen Versorgung. Es gibt einen Bedarf und gleichzeitig eine hohe Bereitschaft, nicht nur unter den Fachärzten, diesen Betreuungsansatz auszubauen. Die Ansätze des PACOCT-Projektes werden in vielen onkologischen Schwerpunktpraxen fortgeführt. Ein Curriculum zur Qualifizierung nichtärztlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für entsprechende Betreuungsaufgaben wurde im Anschluss an die Studie zusammen mit den Landesärztekammern Hessen und Westfalen-Lippe entwickelt. Das Qualifizierungsangebot wird noch im Jahr 2016 ausgebaut.

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